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Ratgeber · Für Lehrbetriebe

Lernende finden im Handwerk: so gewinnst du Nachwuchs für deine Werkstatt

Im Handwerk kümmert sich oft die Chefin oder der Chef selbst um den Nachwuchs, zwischen Baustelle, Kundschaft und Offerten. Hier liest du, was Jugendliche im Handwerk suchen, wo sie suchen und wie du aus einer Schnupperlehre eine Zusage machst.

  • 5 Minuten Lesezeit
  • Aktualisiert am 26.10.2026

Die meisten Handwerksbetriebe sind klein. Eine Personalabteilung gibt es selten, also suchst du selbst. Umso wichtiger ist, dass deine Zeit dort ankommt, wo Jugendliche wirklich unterwegs sind. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Wege, mit Fokus auf den Kanton Zürich.

Was Jugendliche im Handwerk suchen

Viele Jugendliche kennen das Handwerk nur von aussen. Sie ahnen nicht, wie viel Technik darin steckt: die Wärmepumpe in der Gebäudetechnik, die Photovoltaikanlage auf dem Dach, die CNC-Maschine in der Schreinerei. Zeig das. Wer mit 14 oder 15 Jahren einen Beruf wählt, will vor allem drei Dinge wissen:

  • Was mache ich den ganzen Tag? Am Abend steht eine Wand, läuft eine Heizung oder fährt ein Auto wieder. Sichtbare Ergebnisse sind dein stärkstes Argument.
  • Passe ich ins Team? Im kleinen Betrieb lernen Lernende direkt von erfahrenen Fachleuten und merken schnell, dass sie gebraucht werden.
  • Wie geht es weiter? Nach dem EFZ führen Berufsprüfung, höhere Fachprüfung oder die Berufsmaturität weiter, bis zum eigenen Betrieb.

Sei auch bei den harten Seiten ehrlich: früh aufstehen, Wetter, körperliche Arbeit. Wer das vorher weiss, erlebt in der Probezeit keine böse Überraschung. Oft reden die Eltern bei der Berufswahl kräftig mit. Lade sie deshalb zum Gespräch ein.

Typische Lehrberufe im Handwerk

Das Handwerk ist breit. Diese Lehrberufe sind bei Jugendlichen gefragt und in vielen Betrieben zu Hause:

Für Jugendliche, die eher praktisch stark sind, gibt es zweijährige Lehren mit Berufsattest, zum Beispiel Schreinerpraktiker/in EBA oder Maurer/in EBA. Das EBA öffnet später den Weg in die EFZ-Lehre. So gibst du auch Jugendlichen mit schwächerem Zeugnis eine Chance.

Wann und wo Lernende suchen

Im Kanton Zürich erkunden Jugendliche in der 2. Sek Berufe und gehen schnuppern. Ab Sommer und Herbst der 3. Sek bewerben sie sich, Lehrbeginn ist im August. Diese Kanäle zählen:

  • LENA: Im Lehrstellennachweis erfasst du deine Lehrstelle kostenlos, im Kanton Zürich über das Lehrbetriebsportal oder die Meldestelle beim biz. Die Stelle erscheint dann auf berufsberatung.ch und im Berufswahl-Portal. Für Lehrbeginn 2027 werden Lehrstellen laut berufsberatung.ch in allen Kantonen ab August 2026 aufgeschaltet.
  • Berufswahl-Portal ZH: Über das Berufswahl-Portal laufen Berufswahlfahrplan und Schnupperlehren. Dort planen Jugendliche und Lehrpersonen.
  • Schulen und biz: Ein Besuch in einer Sek-Klasse, ein Rundgang durch die Werkstatt oder ein Stand an der Berufsmesse bringt dich ins Gespräch. Wie das geht, steht unter Lernende über Schulen finden.
  • Sichtbarkeit vor Ort: Ein Hinweis auf dem Firmenwagen, an der Baustellentafel und auf der Website wirkt. Viele Jugendliche schauen sich die Website an, bevor sie anrufen.

Was ein gutes Inserat ausmacht

Schreib konkret statt allgemein. Statt „abwechslungsreiche Tätigkeit“ lieber: „Du montierst mit uns Wärmepumpen in Einfamilienhäusern.“ Nenne Arbeitsbeginn am Morgen, Arbeitsort, Lohn und wer dich in der Lehre begleitet. Sag, dass eine Schnupperlehre der erste Schritt ist und dass ein Anruf genügt. Mehr Tipps stehen im Ratgeber Lehrstelleninserat.

Eine gute Schnupperlehre im Handwerk

Eine Schnupperlehre dauert 1 bis 5 Tage. Manche Sekundarschulen legen fixe Schnupperwochen fest, sonst liegen Schnupperlehren oft in den Schulferien. Im Handwerk entscheidet sie fast immer, ob es passt.

  • Eine feste Ansprechperson begleitet die Jugendlichen auf die Baustelle oder in die Werkstatt.
  • Am Ende des Tages nehmen sie etwas Selbstgemachtes mit, zum Beispiel ein kleines Werkstück.
  • Schutzausrüstung liegt in der passenden Grösse bereit.
  • Gefährliche Arbeiten sind tabu, auch kein Gabelstapler.
  • Ein Gespräch mit aktuellen Lernenden gehört dazu.
  • Am Schluss gibt es ehrliches Feedback und eine schriftliche Rückmeldung.

Für Schnupperlernende gilt der Jugendarbeitsschutz. Die Details stehen in den FAQ des SECO. Weitere Tipps findest du unter Schnupperlehre.

Lohn laut Empfehlungen

Einen gesetzlichen Mindestlohn für Lernende gibt es nicht. Die Berufsverbände geben Empfehlungen ab. Einige Beispiele pro Monat, wie sie berufsberatung.ch zeigt:

Lohnempfehlungen im Handwerk pro Monat
Beruf1. Lehrjahr2. Lehrjahr3. Lehrjahr4. Lehrjahr
Schreiner/in EFZCHF 700CHF 1'000CHF 1'350CHF 1'650
Elektroinstallateur/in EFZCHF 700CHF 900CHF 1'150CHF 1'462
Sanitärinstallateur/in EFZCHF 850CHF 1'200CHF 1'400CHF 1'600
Zimmermann/Zimmerin EFZCHF 814CHF 1'061CHF 1'440CHF 1'838
Maurer/in EFZCHF 950CHF 1'320CHF 1'860Lehre 3 Jahre
Automobil-Mechatroniker/in EFZCHF 700CHF 850CHF 1'050CHF 1'300

Quelle: Lohnempfehlungen der Berufsverbände auf berufsberatung.ch, Stand Oktober 2026. Dein Betrieb kann mehr zahlen.

Ausbilden lohnt sich oft auch finanziell. Laut der Kosten-Nutzen-Erhebung 2025 des EHB bringt eine Lehre als Zimmermann/Zimmerin EFZ einem Betrieb über die ganze Lehre im Schnitt CHF 39'200 Nettonutzen, als Montage-Elektriker/in EFZ CHF 15'850. Mehr dazu unter Was kostet ein Lernender?

Verbände und Berufsbildungsfonds

Im Handwerk haben viele Branchen einen eigenen Berufsbildungsfonds, den der Bundesrat allgemeinverbindlich erklärt hat. Auf der Liste des SBFI stehen unter anderem suissetec (Gebäudetechnik), der VSSM (Schreiner), EIT.swiss, der SMGV (Maler und Gipser), Holzbau Schweiz, der Baumeisterverband und der AGVS (Autogewerbe). Dein Verband hilft dir auch mit Unterlagen für die Lehrlingswerbung und mit den überbetrieblichen Kursen.

Im Kanton Zürich zahlen Lehrbetriebe nichts in den kantonalen Berufsbildungsfonds. Er gibt dir Geld zurück, zum Beispiel CHF 250 an den Berufsbildnerkurs und Beiträge an die üK. Details stehen auf der Seite des Kantons.

Jimmy als ein Weg

Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot. Jugendliche legen dort ein Profil an und bewerben sich ohne Motivationsschreiben. Für dich ist das ein zusätzlicher Kanal neben LENA, Schule und Schnupperlehre. Ob es wirklich passt, merkt ihr beide am besten in der Werkstatt. Den ganzen Ablauf von der Suche bis zum Vertrag zeigt Lernende finden.

Häufige Fragen

Wann sollte ich meine Lehrstelle im Handwerk ausschreiben?

Etwa ein Jahr vor Lehrbeginn. Im Kanton Zürich waren Lehrstellen für August 2026 ab 1. August 2025 sichtbar. Für Lehrbeginn 2027 gilt laut berufsberatung.ch: Aufschalten ab August 2026. Auch nach Lehrbeginn werden noch Stellen vergeben.

Welche Schulnoten brauchen Lernende im Handwerk?

Für die Lehre ist eine abgeschlossene obligatorische Schule die Grundlage. Welche Noten du erwartest, entscheidest du selbst. Eine Schnupperlehre zeigt dir oft mehr über Geschick und Zuverlässigkeit als das Zeugnis.

Gibt es im Handwerk einen Berufsbildungsfonds?

In mehreren Branchen ja. Auf der Liste des SBFI stehen zum Beispiel Fonds von suissetec, VSSM, EIT.swiss, SMGV, Holzbau Schweiz, dem Baumeisterverband und dem AGVS. Ob dein Betrieb betroffen ist, sagt dir dein Branchenverband.

Wie finde ich über Jimmy Lernende?

Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot. Jugendliche legen ein Profil an und bewerben sich ohne Motivationsschreiben. Für dich ist das ein zusätzlicher Kanal neben LENA und Schnupperlehre.

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Bei Jimmy stellen sich Jugendliche mit einem kurzen Profil vor, ohne Motivationsschreiben. Du siehst, wer zu deinem Betrieb passt, und fragst direkt an. Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot.