Warum sich der Weg über die Schule lohnt
Rund zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz wählen nach der obligatorischen Schule eine Lehre. Entschieden wird das in der Sekundarschule. Dort lernen Jugendliche Berufe kennen, besuchen das biz und machen ihre ersten Schnupperlehren. In dieser Zeit entscheidet sich oft, welche Berufe sie sich überhaupt vorstellen können. Betriebe, die sie dann schon kennen, sind im Vorteil.
Das hilft auch dir: Wer vorher weiss, was ihn erwartet, merkt nicht erst im ersten Lehrjahr, dass er sich den Beruf anders vorgestellt hat. Und Schnupperlehren binden. Wer sich bei dir wohlgefühlt hat, bewirbt sich eher bei dir.
Wie die Berufswahl in der Sek abläuft
Die Berufswahl ist in der Sekundarschule Teil des Unterrichts. Die Klassenlehrperson begleitet die Jugendlichen dabei, oft zusammen mit der Berufsberatung. Grob läuft es so ab, die genaue Einteilung unterscheidet sich je nach Schule:
| Zeitpunkt | Was passiert | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| 2. Sek | Berufe erkunden, biz besuchen, erste Schnupperlehren | Betriebsbesuche und Schnupperlehren anbieten, an Berufswahl-Anlässen auftreten |
| Sommer vor der 3. Sek | Bewerbungen beginnen, Lehrstellen sind im LENA aufgeschaltet | Lehrstelle erfassen, Schnupperlernende gezielt einladen |
| 3. Sek | Weitere Schnupperlehren, Gespräche, Zusagen | Rasch entscheiden, Lehrvertrag aufsetzen |
| August nach der 3. Sek | Lehrbeginn | Erster Arbeitstag |
Im Kanton Zürich laufen Berufswahlfahrplan und Schnupperlehren über das Berufswahl-Portal. Jugendliche und Lehrpersonen planen damit die Berufswahl. Schau dir an, wie dein Betrieb dort sichtbar wird.
So baust du den Kontakt zu einer Schule auf
- Schule auswählen Nimm eine Sekundarschule in der Nähe, deren Jugendliche dich mit ÖV oder Velo erreichen. In jeder Abteilung gibt es Jugendliche, die zu deinen Berufen passen können.
- Die richtige Person finden Frag im Schulsekretariat, wer die Berufswahl koordiniert. Oft sind es die Klassenlehrpersonen der 2. Sek oder eine Lehrperson mit dieser Aufgabe.
- Ein konkretes Angebot machen Zum Beispiel zwei Schnupperplätze pro Halbjahr, ein Betriebsbesuch für eine Klasse und ein Termin, an dem deine Lernenden in der Klasse erzählen.
- Früh planen Schnupperfenster und Projektwochen stehen an vielen Schulen lange vorher fest. Sprich die Schule im Frühling für das nächste Schuljahr an.
- Kurz festhalten Eine Seite reicht: wer was anbietet, wer auf beiden Seiten Ansprechperson ist und wann ihr euch wieder trefft.
- Jedes Jahr wiederholen Eine Zusammenarbeit lebt davon, dass jeder neue Jahrgang deinen Betrieb kennenlernt.
Was du Schulen anbieten kannst
- Schnupperlehre: Jugendliche arbeiten ein paar Tage bei dir mit und sehen den echten Alltag.
- Betriebsbesuch: Eine Klasse schaut sich einen Vormittag lang deinen Betrieb an, am besten mit Stationen zum Mitmachen.
- Lernende in der Klasse: Deine Lernenden erzählen, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind. Gleichaltrige glauben ihnen mehr als jeder Broschüre.
- Bewerbungstraining: Du übst mit Jugendlichen ein Vorstellungsgespräch. Das nimmt ihnen die Angst, und du lernst sie kennen.
- Projekte: Eine Klasse baut mit deinen Lernenden ein Werkstück oder löst eine echte Aufgabe aus deinem Betrieb.
- Elternabend: Stell die Lehre dort vor, wo die Eltern sind. Sie reden bei der Berufswahl kräftig mit.
- Besuch für Lehrpersonen: Lade die Lehrpersonen selbst ein. Wer deine Berufe gesehen hat, kann sie besser erklären.
Die Schnupperlehre gut aufziehen
Eine Schnupperlehre dauert in der Regel 1 bis 5 Tage. Manche Sekundarschulen legen ein fixes Schnupperfenster fest, sonst liegen Schnupperlehren oft in den Schulferien. Eine Schnupperlehre, in der jemand nur zuschaut oder Regale einräumt, schadet deinem Ruf mehr, als sie nützt. Plane deshalb vorher: Wer ist Ansprechperson, welche Aufgaben können Jugendliche selbst erledigen, wann ist Zeit für Fragen?
Ein einfacher Plan für drei Tage: Am ersten Tag gibt es einen Rundgang, die Vorstellung im Team und die Sicherheitsinstruktion. An den folgenden Tagen lernen die Jugendlichen je eine Station mit einer echten Aufgabe kennen. Am Ende steht ein kleines Ergebnis, das sie zeigen oder mitnehmen können, und ein Feedbackgespräch.
Jugendliche sollen nach jeder Schnupperlehre eine schriftliche Rückmeldung einholen, so empfiehlt es der biz-Newsletter des Kantons Zürich. Halte dafür ein kurzes Formular bereit. Sag ehrlich, ob du dir eine Bewerbung wünschst. Mehr dazu im Ratgeber Schnupperlehre.
Auch in der Schnupperlehre gilt der Jugendarbeitsschutz. Gefährliche Arbeiten sind nicht zulässig. Es genügt, wenn die Jugendlichen selbstständig ungefährliche Arbeiten erledigen und bei gefährlichen Arbeiten zuschauen (Art. 4b Abs. 2 ArGV 5). Einen Gabelstapler dürfen sie zum Beispiel nicht bedienen. Details stehen in den FAQ des SECO zum Jugendarbeitsschutz.
biz und Berufsmessen
Neben den Schulen sind die Berufsinformationszentren (biz) ein wichtiger Ort. Sie beraten Jugendliche bei der Berufswahl und führen Informationsveranstaltungen durch. Im Kanton Zürich gibt es mehrere Standorte, in der Stadt Zürich das Laufbahnzentrum. Melde deine Lehrstelle dort und frag, ob du deinen Beruf an einem Anlass vorstellen kannst.
In vielen Regionen gibt es ausserdem Berufsmessen, an denen sich Lehrbetriebe und Verbände präsentieren. Oft besuchen ganze Klassen eine Messe. Ein eigener Stand lohnt sich vor allem zusammen mit deinem Berufsverband oder anderen Betrieben aus der Region. Bring deine Lernenden mit, lass Besucherinnen und Besucher etwas ausprobieren und nimm Kontakte für Schnupperlehren direkt auf.
Jimmy als zusätzlicher Kanal
Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot. Jugendliche legen dort ein Profil an und bewerben sich ohne Motivationsschreiben. Für Schulen kann das ein einfacher Einstieg in die Berufswahl sein, für dich ein weiterer Weg zu Jugendlichen neben LENA, Schnupperlehre und Schulkontakt. Wenn du mit einer Schule zusammenarbeitest, erzähl ihr davon.
Dranbleiben: aus Kontakten werden Bewerbungen
Eine Zusammenarbeit bringt erst dann Bewerbungen, wenn sie dauerhaft läuft. Diese Gewohnheiten helfen:
- Eine feste Ansprechperson in deinem Betrieb kennt die Schule.
- Ein Termin pro Halbjahr mit der Lehrperson, die die Berufswahl koordiniert.
- Einladungen zum Tag der offenen Tür für Jugendliche und Eltern.
- Interessierten Jugendlichen eine zweite Schnupperlehre anbieten.
- Freie Lehrstellen früh an die Schule und ans biz schicken.
- Nach jedem Schuljahr auswerten, was Bewerbungen gebracht hat.
Frag gute Schnupperlernende am Ende, ob du dich vor dem Bewerbungsstart wieder melden darfst, und notiere die Antwort. Ohne dieses Einverständnis nutzt du ihre Kontaktdaten besser nicht für spätere Angebote. Weitere Wege zu Lernenden findest du im Ratgeber Lernende finden, wie du Jugendliche auf Instagram und TikTok erreichst, unter Lernende über Social Media finden.
Häufige Fragen
Wann beschäftigen sich Jugendliche mit der Berufswahl?
Vor allem in der Sekundarschule. Meist erkunden Jugendliche in der 2. Sek Berufe, besuchen das biz und machen Schnupperlehren. Ab dem Sommer vor der 3. Sek bewerben sie sich. Der Lehrbeginn ist in der Regel im August nach der 3. Sek. Die Abläufe unterscheiden sich je nach Schule.
Wie lange dauert eine Schnupperlehre?
In der Regel 1 bis 5 Tage. Manche Sekundarschulen legen ein fixes Schnupperfenster fest, sonst finden Schnupperlehren oft in den Schulferien statt.
Was dürfen Jugendliche in der Schnupperlehre nicht machen?
Gefährliche Arbeiten sind in der Schnupperlehre nicht zulässig. Es genügt, wenn die Jugendlichen selbst ungefährliche Arbeiten erledigen und bei gefährlichen zuschauen. Einen Gabelstapler dürfen sie zum Beispiel nicht bedienen.
Welche Schule passt zu meinem Betrieb?
Am besten eine in der Nähe, die Jugendliche mit dem ÖV oder Velo erreichen. Das Niveau ist zweitrangig: In jeder Abteilung gibt es Jugendliche, die zu deinen Berufen passen können. Starte mit einer Schule und bleib dran.