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Ratgeber · Für Lehrbetriebe

Lernende über Social Media finden: Instagram, TikTok und deine Lernenden als Gesicht

Jugendliche lesen kaum Zeitungsinserate, sie scrollen. Wer dort nicht auftaucht, bleibt für viele unsichtbar. Du brauchst dafür keine Agentur und kein Filmteam, sondern ein Handy, etwas Mut und Lernende, die Lust haben mitzumachen.

  • 6 Minuten Lesezeit
  • Aktualisiert am 26.10.2026

Wo Jugendliche unterwegs sind

Jugendliche sind vor allem auf Instagram, TikTok und YouTube unterwegs, dazu kommt WhatsApp für alles Persönliche. Facebook eignet sich eher, um Eltern zu erreichen. Du musst nicht überall sein. Such dir eine Plattform aus, die du regelmässig bespielen kannst, und fang dort an.

Wichtig ist die Rolle von Social Media. Ihre Lehrstelle suchen die meisten Jugendlichen im Lehrstellennachweis LENA, auf berufsberatung.ch und über Schnupperlehren. Social Media sorgt dafür, dass sie deinen Betrieb kennen, wenn sie dort auf dein Inserat stossen. Und es macht Lust auf eine Schnupperlehre bei dir.

Deine Lernenden als Gesicht

Eine 16-Jährige, die erzählt, warum sie sich für ihren Beruf entschieden hat, überzeugt Gleichaltrige eher als jeder Chef vor der Kamera. Frag deine Lernenden, wer Lust hat, und gib ihnen Freiraum: eigene Ideen, eigene Sprache, eigener Humor. Eine Idee für den Anfang: Die Lernenden übernehmen den Kanal für einen Tag und zeigen ihren Alltag.

Social Media ist Arbeit. Plane die Zeit dafür als Arbeitszeit ein und achte darauf, dass die Lehre nicht zu kurz kommt. Für Lernende gilt auch hier: keine Überzeit, und unter 18 gelten die Grenzen des Jugendarbeitsschutzes. Leg ein paar Regeln fest, etwa was nie gezeigt wird und wer vor dem Posten einmal draufschaut. Und niemand muss mitmachen, der nicht will.

Bereite deine Lernenden darauf vor, dass nicht jeder Kommentar freundlich ist. Macht vorher aus, wer auf Kommentare antwortet, und lösche Beleidigungen schnell. Wer sich für deinen Betrieb zeigt, braucht deine Rückendeckung.

Einblicke statt Hochglanz

Hochglanzvideos wirken schnell wie Werbung. Besser kommen echte Momente aus dem Alltag an, mit dem Handy gefilmt. Ideen, die sich in fast jedem Lehrbetrieb umsetzen lassen:

  • Ein Tag als Lernende oder Lernender, vom Arbeitsbeginn bis zum Feierabend
  • Vorher und nachher: das Werkstück, der Haarschnitt, das fertige Bad
  • Fragerunde mit Lernenden: Was verdient man im ersten Lehrjahr? Wie ist die Berufsfachschule?
  • Ein Tag im üK oder das bestandene QV
  • Ein Werkzeug oder eine Maschine, in 30 Sekunden erklärt
  • Die Berufsbildnerin stellt sich vor: Wer ist für dich da, wenn du anfängst?
  • So läuft eine Schnupperlehre bei uns
  • Kleine Pannen mit Humor, solange niemand blossgestellt wird

Jeder Beitrag sollte zu einem einfachen nächsten Schritt führen: ein Link zur Lehrstelle, eine Nummer für eine Nachricht, ein Termin für eine Schnupperlehre. Und nenne ruhig auch in Posts den Lohn pro Lehrjahr.

Instagram, TikTok, YouTube und WhatsApp-Kanäle

Instagram

Gut für Fotos, kurze Videos und Storys. In den Storys kannst du Fragen stellen und Umfragen machen, das bringt dich mit Jugendlichen ins Gespräch. Hefte einen Beitrag mit allen Infos zur Lehrstelle oben in deinem Profil an.

TikTok

Auf TikTok können auch Videos von kleinen Konten viele Menschen erreichen, wenn sie gut ankommen. Das ist eine Chance für kleine Lehrbetriebe. Probier kurze, ehrliche Clips mit Untertiteln und einem Einstieg, der in den ersten Sekunden neugierig macht.

YouTube

Für längere Videos, etwa einen Rundgang durch den Betrieb oder ein Gespräch mit deinen Lernenden, passt YouTube. Solche Videos kannst du auf deiner Website einbinden oder bei einem Schulbesuch zeigen. Kurze Ausschnitte funktionieren dann wieder auf Instagram und TikTok.

WhatsApp-Kanäle

Über einen WhatsApp-Kanal verschickst du Neuigkeiten an alle, die ihm folgen: freie Schnupperplätze, Termine, offene Lehrstellen. Ein QR-Code auf Flyern, am Stand einer Berufsmesse oder im Schulzimmer führt direkt zum Kanal. Für Nachrichten mit Interessierten eignet sich ein Geschäftskonto besser als das private Handy. Überlege vorher, wie lange du Nachrichten und Kontakte aufbewahrst.

Datenschutz und Einwilligung

Das eigene Bild ist Teil der Persönlichkeit, die das Zivilgesetzbuch schützt (Art. 28 ZGB). Fotos und Videos, auf denen Menschen erkennbar sind, veröffentlichst du deshalb nur mit deren Einwilligung. Für Daten deiner Mitarbeitenden gilt zusätzlich: Du darfst sie nur bearbeiten, soweit sie das Arbeitsverhältnis betreffen (Art. 328b OR). Werbung auf Social Media gehört nicht dazu, also brauchst du die Einwilligung deiner Lernenden.

Weil Lernende von dir abhängig sind, muss die Einwilligung wirklich freiwillig sein. Wer nicht mitmachen will, darf keinen Nachteil haben. Urteilsfähige Jugendliche entscheiden über ihr eigenes Bild grundsätzlich selbst (Art. 19c ZGB). Bei Minderjährigen ist es trotzdem klug, die Eltern einzubeziehen. Zeig keine Nachnamen, Wohnorte oder Schulen, und nimm Beiträge herunter, wenn jemand seine Einwilligung zurückzieht, auch nach dem Ende der Lehre. Allgemeine Informationen zum Datenschutz gibt der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB).

  • Die Einwilligung jeder gezeigten Person liegt schriftlich vor.
  • Bei Minderjährigen sind die Eltern informiert und einverstanden.
  • Mitmachen ist freiwillig, niemand wird gedrängt.
  • Keine Kundendaten, Adressen oder Autonummern im Bild.
  • Das Profil nennt den Betrieb und eine Kontaktmöglichkeit.
  • Jemand behält die Kommentare im Blick und löscht Beleidigungen.

Das ist keine Rechtsberatung. Wenn du unsicher bist, frag eine Fachperson für Datenschutz oder deinen Branchenverband, bevor du Aufnahmen von Lernenden veröffentlichst.

So startest du

  1. Ziel festlegen Willst du Schnupperlernende finden, Bewerbungen für den nächsten Lehrbeginn bekommen oder deinen Betrieb bekannter machen? Das bestimmt, was du postest.
  2. Eine Plattform wählen Lieber ein Kanal, den ihr regelmässig füllt, als drei, die nach einem Monat verstauben.
  3. Team und Regeln klären Wer macht mit, wer schaut vor dem Posten drüber, was wird nie gezeigt? Die Einwilligungen holst du gleich mit ein.
  4. Ideen sammeln Zehn Ideen auf einem Zettel reichen für die ersten Wochen. Die Liste oben ist ein Anfang.
  5. Regelmässig posten Ein fester Rhythmus, etwa ein Beitrag pro Woche, ist besser als fünf auf einmal und dann Funkstille.
  6. Auswerten Frag neue Schnupperlernende und Bewerbende, wie sie auf euch gekommen sind. So siehst du, was wirklich wirkt.

Social Media ist ein Weg von vielen. Welche anderen sich lohnen, steht im Ratgeber Lernende finden. Wie du danach ein Inserat schreibst, das Jugendliche wirklich lesen, zeigt Lehrstelleninserat schreiben. Und wie du Jugendliche direkt an ihrer Schule erreichst, steht unter Lernende über Schulen finden.

Häufige Fragen

Darf ich Fotos von minderjährigen Lernenden posten?

Nur mit Einwilligung. Urteilsfähige Jugendliche entscheiden über ihr eigenes Bild grundsätzlich selbst. Bei Minderjährigen ist es trotzdem sinnvoll, die Eltern einzubeziehen. Hol die Einwilligung schriftlich ein und erkläre, wofür du die Bilder nutzt und dass man sie widerrufen kann.

Welche Plattform eignet sich am besten?

Die, die du regelmässig bespielen kannst. Instagram passt für Fotos, Storys und kurze Videos, TikTok für kurze Clips, die auch von kleinen Konten viele erreichen können, WhatsApp-Kanäle für Neuigkeiten an Interessierte.

Wie oft sollte ich posten?

Regelmässig ist wichtiger als oft. Ein Beitrag pro Woche, den du durchhältst, bringt mehr als fünf Beiträge in einer Woche und danach Funkstille.

Ersetzt Social Media den Eintrag im LENA?

Nein. Die meisten Jugendlichen suchen ihre Lehrstelle über den Lehrstellennachweis LENA und berufsberatung.ch. Social Media macht deinen Betrieb bekannt und führt im besten Fall zu einer Schnupperlehre.

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