Was Jugendliche in einem Inserat wissen wollen
Mit 14 oder 15 sucht kaum jemand eine Firmengeschichte oder eine lange Liste mit Anforderungen. Jugendliche wollen wissen, wie sich der Alltag bei dir anfühlt und ob sich der Weg lohnt. Diese Fragen sollte dein Inserat beantworten:
- Was mache ich jeden Tag? Nenne drei bis fünf konkrete Aufgaben. „Du baust Lüftungen ein und findest heraus, warum eine Anlage nicht läuft“ sagt mehr als „vielseitige Tätigkeiten“.
- Was verdiene ich? Schreib den Lohn für jedes Lehrjahr hinein. Das ist für Jugendliche und Eltern eine der ersten Fragen. Ein Inserat ohne Betrag wirkt schnell, als gäbe es etwas zu verbergen.
- Wann und wo? Arbeitszeiten, Standort, wie man mit dem ÖV hinkommt und wo die Berufsfachschule ist.
- Wer ist meine Ansprechperson? Ein Name mit Foto und einer direkten Telefonnummer nimmt die Scheu vor dem ersten Anruf.
- Kann ich schnuppern? Für die meisten Jugendlichen ist die Schnupperlehre der wichtigste Schritt vor der Bewerbung. Schreib, wie man sie bei dir bekommt.
- Wie geht es danach weiter? Weiterbeschäftigung, Berufsmaturität, höhere Berufsbildung: Zeig, dass die Lehre ein Anfang ist.
So baust du das Inserat auf
Ein gutes Lehrstelleninserat ist kurz und folgt einer klaren Reihenfolge. Am Handy werden lange Absätze übersprungen, deshalb helfen Zwischentitel und kurze Listen.
- Titel mit Beruf, Ort und Lehrbeginn Zum Beispiel: Lehrstelle Polymechanikerin/Polymechaniker EFZ in Winterthur, Lehrbeginn August 2027. Jugendliche suchen nach dem Berufsnamen, nicht nach Fantasietiteln.
- Zwei Sätze über euch Wer ihr seid, was ihr macht, wie gross das Team ist. Mehr braucht es am Anfang nicht.
- Aufgaben aus dem Alltag Drei bis fünf Punkte, die man sich vorstellen kann, gern mit einem Beispiel aus Werkstatt, Büro oder Baustelle.
- So läuft die Lehre Dauer, Schultag an der Berufsfachschule, üK und wer die Lernenden im Betrieb begleitet.
- Was man mitbringen sollte Wenige, ehrliche Punkte. Interesse und Zuverlässigkeit zählen mehr als eine lange Liste.
- Was ihr bietet Lohn pro Lehrjahr, Arbeitszeiten, Ferien und Extras wie Beitrag ans ÖV-Abo oder Arbeitskleider.
- So meldet man sich Ansprechperson mit Telefon, Hinweis auf die Schnupperlehre und wann ihr antwortet.
Ob du Kauffrau/Kaufmann EFZ, Coiffeuse/Coiffeur EFZ oder Logistikerin/Logistiker EBA suchst: Der Aufbau bleibt gleich, nur Aufgaben und Beispiele ändern sich.
Muster-Inserat zum Kopieren
Das Muster folgt genau diesem Aufbau. Ersetze alles in eckigen Klammern und streiche, was bei dir nicht passt. Es ist in der du-Form geschrieben. Wenn ihr im Betrieb siezt, passe die Ansprache an.
Lehrstelle [Berufsbezeichnung weiblich/männlich] [EFZ/EBA] in [Ort], Lehrbeginn [August Jahr] Wer wir sind [Betrieb] ist ein [Handwerksbetrieb / Familienunternehmen / Geschäft] mit [Anzahl] Mitarbeitenden in [Ort]. Wir [kurz: was ihr macht und für wen]. Was du bei uns machst - [Aufgabe 1, konkret, zum Beispiel: Du montierst Küchen bei unseren Kundinnen und Kunden] - [Aufgabe 2] - [Aufgabe 3] - [Aufgabe 4] So läuft deine Lehre - Dauer: [2 / 3 / 4] Jahre, Start am [Datum] - Berufsfachschule: [Name der Schule, Ort], [1 oder 2 Tage pro Woche] - Überbetriebliche Kurse: [beim Verband, Ort] - Deine Berufsbildnerin oder dein Berufsbildner: [Name], [Funktion] - [Besonderheiten: Lernendenprojekte, Einsätze in mehreren Abteilungen, Berufsmaturität möglich] Was du mitbringst - Interesse an [Thema, zum Beispiel Technik, Menschen, Lebensmitteln] - Zuverlässigkeit und Lust, mit anzupacken - [Schulniveau, nur falls wirklich nötig] Was wir dir bieten - Lohn: CHF [Betrag] im 1. Lehrjahr, CHF [Betrag] im 2. Lehrjahr, CHF [Betrag] im 3. Lehrjahr, [12 oder 13] Mal pro Jahr - Arbeitszeit: [zum Beispiel Montag bis Freitag, 7.30 bis 16.30 Uhr] - [Anzahl] Wochen Ferien - [Extras: Beitrag ans ÖV-Abo, Arbeitskleider, Laptop, Prämie für ein gutes QV] - Nach der Lehre: [zum Beispiel: Wir bilden aus, um dich danach weiter zu beschäftigen] So meldest du dich Ein Motivationsschreiben brauchen wir nicht. Ruf [Name] an unter [Telefonnummer] oder schreib per [WhatsApp an Nummer / E-Mail an Adresse] ein paar Sätze über dich. Wir melden uns innerhalb von [Anzahl] Tagen. Zuerst schnuppern? Frag nach einer Schnupperlehre, auch in den Schulferien.
Das Gleichstellungsgesetz (Art. 3 GlG) verbietet, jemanden bei der Anstellung wegen des Geschlechts zu benachteiligen. Nenne deshalb beide Berufsbezeichnungen oder schreib, dass alle angesprochen sind. Ein Wunschgeschlecht gehört nicht ins Inserat. Für die Ferien gilt: Lernende haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr mindestens fünf Wochen pro Lehrjahr (Art. 345a OR).
Den richtigen Lohn angeben
Einen gesetzlichen Mindestlohn für Lernende gibt es in der Schweiz nicht. Die Berufsverbände geben Empfehlungen ab, an die sich die meisten Betriebe halten. In manchen Branchen legt ein Gesamtarbeitsvertrag Minimallöhne fest. Ein Beispiel: Der kaufmännische Verband kfmv empfiehlt für Kaufleute EFZ und Detailhandelsfachleute EFZ mit Lehrbeginn 2027 CHF 840 im 1., CHF 1'060 im 2. und CHF 1'530 im 3. Lehrjahr, jeweils pro Monat und 13 Mal. Was in deinem Beruf üblich ist, steht im Ratgeber Lehrlingslohn und beim Berufsverband.
Wo das Inserat hingehört
Der wichtigste Ort ist der Lehrstellennachweis LENA. Dort erfasst du die Lehrstelle kostenlos, im Kanton Zürich über das Lehrbetriebsportal oder die Meldestelle beim biz. Die Stelle erscheint dann auf berufsberatung.ch und im Berufswahl-Portal des Kantons. Für Lehrbeginn August 2026 waren Zürcher Lehrstellen ab 1. August 2025 sichtbar. Für 2027 gilt laut berufsberatung.ch derselbe Rhythmus: Ausschreibung ab August 2026. Die Termine stehen auf der Seite des Kantons Zürich für Betriebe.
Dazu kommen deine Website, ein Aushang in Sekundarschulen in der Nähe, das biz und Social Media. Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot, bei dem Jugendliche ein Profil anlegen und sich ohne Motivationsschreiben bewerben. Das ist ein weiterer Kanal, kein Ersatz für LENA. Mehr Wege stehen im Ratgeber Lernende finden.
Typische Fehler
- Zu viele Anforderungen. Wer gute Noten in drei Fächern, Sek A und Belastbarkeit verlangt, schreckt auch Jugendliche ab, die gut passen würden. Nenne nur, was wirklich nötig ist.
- Ein langer Weg zur Bewerbung. Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Eignungstest als PDF sind am Handy mühsam. Unterlagen kannst du nach der Schnupperlehre anfordern. Mehr dazu im Ratgeber Bewerbung ohne Motivationsschreiben.
- Floskeln statt Alltag. „Dynamisches Team“ und „abwechslungsreiche Aufgaben“ stehen in vielen Inseraten. Ein Satz über einen echten Arbeitstag bleibt eher hängen.
- Kein Lohn. Jugendliche vergleichen. Wer keinen Betrag nennt, landet oft weiter unten auf der Liste.
- Zu spät online. Viele Jugendliche bewerben sich ab dem Sommer vor dem letzten Schuljahr. Dann sollte dein Inserat im LENA stehen.
- Keine Antwort. Wer sich meldet und nichts hört, bewirbt sich woanders. Antworte innerhalb weniger Tage, auch mit einer Absage.
Check vor dem Veröffentlichen
- Beruf mit EFZ oder EBA, Ort und Lehrbeginn stehen im Titel.
- Beide Berufsbezeichnungen sind genannt oder alle sind angesprochen.
- Die Aufgaben sind konkret und aus dem Alltag.
- Der Lohn für jedes Lehrjahr steht drin.
- Es gibt einen Namen und eine direkte Telefonnummer.
- Man kann sich ohne Motivationsschreiben melden und nach einer Schnupperlehre fragen.
- Die Anforderungen passen in drei Punkte.
- Der Text ist auf dem Handy gut lesbar.
- Die Lehrstelle ist im LENA erfasst und auf deiner Website.
Häufige Fragen
Was gehört unbedingt in ein Lehrstelleninserat?
Beruf mit Abschluss (EFZ oder EBA), Ort und Lehrbeginn, konkrete Aufgaben, der Lohn pro Lehrjahr, eine Ansprechperson mit Telefonnummer und ein einfacher Weg, sich zu melden. Dazu ein Hinweis auf die Schnupperlehre.
Welchen Lohn schreibe ich ins Inserat?
Einen gesetzlichen Mindestlohn für Lernende gibt es nicht. Die meisten Betriebe halten sich an die Empfehlung ihres Berufsverbands, manche Branchen haben Minimallöhne im Gesamtarbeitsvertrag. Schreib den Betrag für jedes Lehrjahr ins Inserat.
Wo veröffentliche ich das Inserat?
Zuerst im Lehrstellennachweis LENA, das ist kostenlos. Im Kanton Zürich erscheint die Stelle dann auf berufsberatung.ch und im Berufswahl-Portal. Dazu kommen deine Website, Schulen in der Nähe, das biz und Social Media.
Muss ich (m/w/d) hinter den Beruf schreiben?
Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Das Gleichstellungsgesetz verbietet aber, jemanden bei der Anstellung wegen des Geschlechts zu benachteiligen. Nenne deshalb beide Berufsbezeichnungen, etwa Schreinerin/Schreiner EFZ, oder einen Zusatz, der alle anspricht.