Die grösste Konkurrenz für einen Industriebetrieb ist oft nicht der Nachbar im Gewerbegebiet. Es sind bekannte Marken, das Gymnasium und Berufe, die Jugendliche schon aus dem Alltag kennen. Eine Werkhalle sieht von aussen niemand. Wer gute Lernende will, muss die Türen öffnen. Dieser Artikel zeigt, wie das geht, mit Fokus auf den Kanton Zürich.
Was Jugendliche in der Industrie suchen
Jugendliche, die sich für Technik interessieren, wollen etwas anfassen und verstehen. Sie fragen sich: Arbeite ich an echten Maschinen? Lerne ich programmieren? Und komme ich damit später weiter? Darauf kannst du gute Antworten geben:
- Technik zum Anfassen: CNC-Fräsen, Roboterzellen, Messtechnik, Steuerungen. Zeig die Lehrwerkstatt und die Anlagen, an denen deine Lernenden arbeiten.
- Lohn ab dem ersten Tag: Wer eine Lehre macht, verdient von Anfang an, und der Lohn steigt jedes Lehrjahr.
- Weiterkommen ohne Umweg: Mit der Berufsmaturität während oder nach der Lehre steht die Fachhochschule offen. Viele Jugendliche und Eltern wissen das nicht. Sag es laut, mehr dazu unter Berufsmaturität.
- Sicherheit: Sag klar, ob du nach dem Lehrabschluss weiterbeschäftigen willst. Das nimmt Jugendlichen und Eltern eine Sorge.
Sprich gezielt auch Mädchen an, die Technik mögen. Eine Schnupperlehre in der Werkstatt öffnet Türen, die ein Inserat allein nicht öffnet.
Typische Lehrberufe der MEM-Industrie
Die Lehrberufe der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie decken sehr unterschiedliche Profile ab. Für die einen zählt Feinarbeit an der Maschine, für die anderen Planung am Bildschirm:
- Polymechaniker/in EFZ
- Automatiker/in EFZ
- Konstrukteur/in EFZ
- Produktionsmechaniker/in EFZ
- Elektroniker/in EFZ
- Anlagen- und Apparatebauer/in EFZ
- Automatikmonteur/in EFZ
- Kunststofftechnologe/-technologin EFZ
- Mechanikpraktiker/in EBA
Dazu kommen Berufe ausserhalb der Werkstatt, die fast jeder Industriebetrieb braucht: Logistiker/in EFZ im Lager und Kaufmann/Kauffrau EFZ im Büro. Die zweijährige Lehre als Mechanikpraktiker/in EBA ist ein guter Einstieg für Jugendliche, die lieber anpacken als lange rechnen. Mit dem Berufsattest können sie später in eine EFZ-Lehre wechseln.
Wann und wo Lernende suchen
Technikinteressierte Jugendliche entscheiden sich oft früh. Im Kanton Zürich erkunden sie in der 2. Sek Berufe und gehen schnuppern, ab Sommer und Herbst der 3. Sek bewerben sie sich. Plane rückwärts: Schnupperlehren im Frühling und Sommer, Ausschreibung ab August, Gespräche im Herbst.
- Lehrstelle im LENA erfassen Kostenlos über das Lehrbetriebsportal oder die Meldestelle beim biz. Die Stelle erscheint auf berufsberatung.ch und im Berufswahl-Portal. Für Lehrbeginn 2027 werden Lehrstellen laut berufsberatung.ch ab August 2026 aufgeschaltet.
- Im Berufswahl-Portal sichtbar sein Im Kanton Zürich laufen Berufswahlfahrplan und Schnupperlehren über das Berufswahl-Portal. Biete dort Schnuppertermine an.
- Schulen einladen Eine Sek-Klasse in der Werkhalle bleibt in Erinnerung. Frag bei Schulen in deiner Nähe nach Betriebsbesichtigungen und Berufsmessen.
- Lernende zeigen lassen Kurze Videos deiner Lernenden auf Instagram oder TikTok wirken echter als Hochglanzbilder. Jugendliche glauben Gleichaltrigen.
Die Termine im Kanton Zürich findest du auf der Seite des Kantons für Betriebe und im Berufswahl-Portal. Ideen für Social Media stehen unter Lernende über Social Media finden.
Was ein gutes Inserat ausmacht
Schreib, was Lernende konkret tun: „Du fräst Teile für Medizinaltechnik“ sagt mehr als „spannende Aufgaben in einem innovativen Umfeld“. Nenne den Lohn, die Arbeitszeit, ob es eine Lehrwerkstatt gibt und ob die Berufsmaturität möglich ist. Wenn du mehrere Berufe anbietest, mach für jeden ein eigenes Inserat. Und halte die Hürde tief: Ein Anruf oder ein kurzes Formular genügt für den Start.
Eine gute Schnupperlehre in der Industrie
Eine Schnupperlehre dauert 1 bis 5 Tage, oft in den Schulferien. In der Industrie lohnt sich ein kleines Projekt, das die Jugendlichen in dieser Zeit fertig machen.
- Ein kleines Werkstück, das die Jugendlichen selbst herstellen und mitnehmen.
- Ein Blick in mehrere Bereiche: Werkstatt, Montage, Konstruktion.
- Eine feste Ansprechperson, am besten ein Lernender im 3. oder 4. Lehrjahr.
- Schutzbrille, Gehörschutz und Arbeitskleider in passender Grösse.
- Keine gefährlichen Arbeiten, kein Gabelstapler.
- Ein Feedbackgespräch und eine schriftliche Rückmeldung am Schluss.
Für Schnupperlernende gilt der Jugendarbeitsschutz. Die Regeln findest du in den FAQ des SECO. Wie du die Tage planst, zeigt der Ratgeber Schnupperlehre.
Lohn laut Empfehlungen
Für die MEM-Berufe gibt es Lohnempfehlungen der Berufsverbände. So sehen sie laut berufsberatung.ch aus:
| Lehrjahr | Polymechaniker/in, Automatiker/in, Konstrukteur/in, Elektroniker/in EFZ | Kunststofftechnologe/-technologin EFZ |
|---|---|---|
| 1. Lehrjahr | CHF 570 bis 615 | CHF 650 |
| 2. Lehrjahr | CHF 750 bis 815 | CHF 830 |
| 3. Lehrjahr | CHF 985 bis 1'065 | CHF 1'100 |
| 4. Lehrjahr | CHF 1'170 bis 1'265 | CHF 1'330 |
Quelle: Lohnempfehlungen der Berufsverbände auf berufsberatung.ch, Stand Oktober 2026. Für Produktionsmechaniker/in EFZ (3 Jahre) und Mechanikpraktiker/in EBA (2 Jahre) gelten dieselben Werte wie in der linken Spalte für die jeweiligen Lehrjahre.
Wer mehr zahlt als die Empfehlung, darf das im Inserat ruhig sagen. Gerade bei technisch starken Jugendlichen ist der Lohn ein Argument im Vergleich mit anderen Betrieben.
Verband und Unterstützung
Swissmem Berufsbildung ist das Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für die Berufsbildung der MEM-Industrie. Dort findest du Lehrmittel und Kurse für Berufsbildende. Ob für deine Branche ein allgemeinverbindlicher Berufsbildungsfonds gilt, zeigt die Liste des SBFI.
Im Kanton Zürich sind Lehrbetriebe von der Abgabe an den kantonalen Berufsbildungsfonds befreit. Der Fonds zahlt dir Beiträge an die üK und CHF 250 an den Berufsbildnerkurs. Mehr auf der Seite des Kantons.
Jimmy als ein Weg
Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot. Jugendliche legen dort ein Profil an und bewerben sich ohne Motivationsschreiben. Für dich ist das ein zusätzlicher Kanal neben LENA, Schulen und Schnupperlehre, kein Ersatz dafür. Den Weg von der Suche bis zum Lehrvertrag zeigt Lernende finden.
Häufige Fragen
Was sind MEM-Berufe?
MEM steht für Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Typische Lehrberufe sind Polymechaniker/in, Automatiker/in, Konstrukteur/in, Produktionsmechaniker/in, Elektroniker/in sowie Anlagen- und Apparatebauer/in.
Wie hoch ist der Lohn für Polymechaniker-Lernende?
Laut den Empfehlungen auf berufsberatung.ch etwa CHF 570 bis 615 im 1. Lehrjahr und CHF 1'170 bis 1'265 im 4. Lehrjahr pro Monat. Dein Betrieb kann mehr zahlen.
Wo bekomme ich Unterstützung als MEM-Lehrbetrieb?
Swissmem Berufsbildung ist das Kompetenzzentrum für die Berufsbildung der MEM-Industrie und bietet Lehrmittel und Kurse für Berufsbildende an. Für Fragen zu Lehrvertrag und Bewilligung ist das Berufsbildungsamt deines Kantons zuständig.
Wie finde ich über Jimmy Lernende?
Jimmy startet in der Schweiz mit einem Pilot. Jugendliche legen ein Profil an und bewerben sich ohne Motivationsschreiben. Für dich ist das ein zusätzlicher Kanal neben LENA und Schnupperlehre.