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Ratgeber · Für Jugendliche

Motivationsschreiben für die Lehrstelle: Aufbau, Muster und häufige Fehler

Das Motivationsschreiben ist der wichtigste Teil deines Bewerbungsdossiers. Es muss nicht kompliziert sein: Eine Seite mit ein paar ehrlichen, konkreten Sätzen reicht. Hier siehst du, wie es aufgebaut ist, was in die Absätze gehört und wie ein kurzes Muster aussieht.

  • 6 Minuten Lesezeit
  • Aktualisiert am 26.10.2026

Wozu das Motivationsschreiben da ist

In der Schweiz gehört zu fast jeder Bewerbung um eine Lehrstelle ein Motivationsschreiben. Zusammen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Schnupperberichten bildet es dein Bewerbungsdossier. Die Zeugnisse zeigen, was du in der Schule leistest. Das Motivationsschreiben zeigt, wer du bist und warum du genau diesen Beruf lernen willst.

Schau trotzdem zuerst in die Ausschreibung der Lehrstelle. Manche Betriebe wollen nur ein Online-Formular, andere zuerst einen Anruf. Wie das geht, steht im Ratgeber Bewerbung ohne Motivationsschreiben. Hier geht es um den häufigen Fall: Der Lehrbetrieb will ein Motivationsschreiben, und du willst es gut machen.

So ist ein Motivationsschreiben aufgebaut

Ein Motivationsschreiben ist ein ganz normaler Brief. Wichtig ist diese Reihenfolge:

  1. Absender: dein Name, deine Adresse, Telefonnummer und Mailadresse.
  2. Empfänger: Name des Betriebs, wenn bekannt mit Ansprechperson, und Adresse. Je nach Vorlage steht die Adresse links oder rechts, beides ist üblich.
  3. Ort und Datum: zum Beispiel „Uster, 7. September 2026“.
  4. Betreff: fett, ohne das Wort „Betreff“, zum Beispiel „Bewerbung um eine Lehrstelle als Fachfrau Gesundheit EFZ ab August 2027“.
  5. Anrede: möglichst mit Namen. Steht keiner in der Ausschreibung, ruf an und frag nach. Erst wenn das nicht klappt, schreibst du „Sehr geehrte Damen und Herren“.
  6. Drei bis vier kurze Absätze: Einstieg, warum der Beruf, warum du, Schluss.
  7. Gruss und Unterschrift: „Freundliche Grüsse“, dann deine Unterschrift und dein Name.
  8. Beilagen: ganz unten die Liste, etwa Lebenslauf, Zeugnisse und Schnupperbericht.

Als Schrift reicht eine gut lesbare wie Arial oder Calibri in Grösse 11 oder 12. Alles passt auf eine A4-Seite. Achte auf Schweizer Schreibweise: „Grüsse“ und „gross“ mit Doppel-s.

Was in die Absätze gehört

Einstieg: warum du schreibst

Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Statt „Hiermit bewerbe ich mich“ schreibst du, was dich auf den Betrieb gebracht hat: deine Schnupperlehre dort, ein Gespräch an der Berufsmesse, ein Hinweis aus dem biz. Gibt es so einen Anlass nicht, steig mit deinem Interesse am Beruf ein.

Warum dieser Beruf

Nenn einen echten Grund und belege ihn mit etwas, das du erlebt oder gemacht hast. „In der Schnupperlehre durfte ich einer Bewohnerin beim Essen helfen, und ihr Lächeln hat mir gezeigt, dass dieser Beruf zu mir passt“ sagt viel mehr als „Ich arbeite gern mit Menschen“.

Warum du passt

Nimm zwei Stärken, die zum Beruf passen, und je ein kurzes Beispiel aus Schule, Verein, Ferienjob oder Familie. Schreib, in welche Klasse du gehst und wann du die obligatorische Schule abschliesst. Bleib ehrlich, dann musst du im Gespräch nichts zurechtrücken.

Schluss

Ein Satz zum nächsten Schritt reicht: dass du dich auf ein Gespräch oder auf Schnuppertage freust. Den Konjunktiv lässt du weg. „Ich freue mich“ klingt sicherer als „Ich würde mich freuen“.

Muster: ein kurzes Motivationsschreiben zum Anpassen

Das Muster zeigt nur den Aufbau. Ersetze alles in eckigen Klammern durch deine eigenen Angaben und schreib die Gründe in deinen Worten. Der Lehrbetrieb soll beim Lesen merken, dass es um dich geht.

Muster Motivationsschreiben Lehre
[Vorname Nachname]
[Strasse Nummer]
[PLZ Ort]
[Telefonnummer] | [Mailadresse]

[Name des Lehrbetriebs]
[Frau oder Herr Nachname]
[Strasse Nummer]
[PLZ Ort]

[Ort], [Datum]

Bewerbung um eine Lehrstelle als [Beruf EFZ oder EBA] ab August [Jahr]

Sehr geehrte Frau [Nachname]

In meiner Schnupperlehre bei [Betrieb oder Ort] habe ich [eine konkrete Tätigkeit] gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass ich genau das später beruflich machen möchte. Darum bewerbe ich mich bei Ihnen um eine Lehrstelle als [Beruf].

Ich besuche die [Klasse] der Sekundarschule [Name oder Ort] und schliesse die obligatorische Schule im Sommer [Jahr] ab. Am liebsten mag ich [Fach oder Aufgabe], weil [kurzer Grund]. In meiner Freizeit [Hobby, Verein oder Ferienjob]. Dort habe ich gelernt, [Stärke mit Beispiel].

Ihr Betrieb interessiert mich, weil [konkreter Grund, zum Beispiel was ihr macht, euer Team oder ein Eindruck aus der Schnupperlehre].

Ich freue mich, wenn ich mich bei einem Gespräch oder bei Schnuppertagen vorstellen darf.

Freundliche Grüsse

[Unterschrift]
[Vorname Nachname]

Beilagen: Lebenslauf, Zeugnisse, Schnupperbericht

In der Schweiz steht nach der Anrede oft kein Komma, und der erste Absatz beginnt gross. Mit Komma ist es aber auch nicht falsch. Schick das Motivationsschreiben per Mail zusammen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Schnupperberichten als ein einziges PDF, zum Beispiel mit dem Namen „Bewerbung_Vorname_Nachname.pdf“. In die Mail selbst gehören dann nur zwei oder drei Sätze und dein Gruss.

Ideen je Beruf

Was einen Lehrbetrieb überzeugt, hängt vom Beruf ab. Hier ein paar Ideen für den Absatz „Warum du passt“. Nimm nur, was bei dir wirklich stimmt.

  • Kaufmann/-frau EFZ: Freude an Sprachen, Zahlen und Organisation, Zuverlässigkeit und ein gepflegtes Auftreten. Ein Beispiel, bei dem du etwas organisiert oder Geld verwaltet hast, etwa die Klassenkasse oder ein Fest im Verein.
  • Fachmann/-frau Gesundheit EFZ: Einfühlungsvermögen und Geduld, belegt mit einer Situation aus der Schnupperlehre oder aus der Familie, zum Beispiel mit Grosseltern.
  • Fachmann/-frau Betreuung EFZ: Erfahrung mit Kindern, etwa mit Geschwistern, als Babysitter oder in der Jugendgruppe. Beschreib eine Situation, in der du ruhig geblieben bist.
  • Automobil-Mechatroniker/in EFZ: was du schon selbst repariert hast, vom Velo bis zum Töffli, und dein Interesse an Technik und Elektronik.
  • Informatiker/in EFZ: eigene Projekte wie ein kleines Programm, eine Website oder ein Computer, den du selbst zusammengebaut hast. Ein Link auf ein Projekt zählt oft mehr als jeder Satz.
  • Detailhandelsfachmann/-frau EFZ: Freude am Beraten und Verkaufen, ein Ferienjob mit Kundenkontakt und dein Interesse an den Produkten des Geschäfts.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

  • Name des Betriebs und Ansprechperson stimmen, nichts ist aus einer anderen Bewerbung stehen geblieben.
  • Der Beruf heisst im Betreff genau gleich wie in der Ausschreibung, mit EFZ oder EBA.
  • Kein Satz beginnt mit hiermit, und keine Floskel steht ohne Beispiel da.
  • Deine Schnupperlehre kommt vor, wenn du eine gemacht hast.
  • Jemand anderes hat den Text auf Fehler gelesen, etwa Eltern, Lehrperson oder das biz.
  • Das Motivationsschreiben passt auf eine Seite und ist unterschrieben.
  • Alles steckt in einem PDF mit deinem Namen im Dateinamen.

Und danach? Lädt dich ein Betrieb ein, kommt es auf das Gespräch an. Wie du dich vorbereitest, steht im Ratgeber Vorstellungsgespräch für die Lehrstelle. Was sonst ins Dossier gehört, liest du unter Bewerbung für die Lehrstelle. Den ganzen Weg bis zum ersten Arbeitstag siehst du in der Lehre-Roadmap.

Häufige Fragen

Wie lang ist ein Motivationsschreiben für die Lehre?

Höchstens eine A4-Seite. Drei oder vier kurze Absätze reichen völlig. Ein Lehrbetrieb liest lieber wenige konkrete Sätze als eine Seite voller Floskeln.

Muss ich die Schnupperlehre im Motivationsschreiben erwähnen?

Wenn du im Betrieb oder im Beruf geschnuppert hast, unbedingt. Das ist oft dein stärkstes Argument. Leg den Schnupperbericht als Beilage dazu.

Kann ich dasselbe Motivationsschreiben für alle Betriebe verwenden?

Den Aufbau ja, den Inhalt nicht. Der Absatz zum Betrieb muss jedes Mal neu sein. Ein Text, der überall passt, fällt sofort auf.

Wie schliesse ich das Motivationsschreiben ab?

Mit einem Satz zum nächsten Schritt, etwa dass du dich auf ein Gespräch oder Schnuppertage freust. Dann folgen „Freundliche Grüsse“, deine Unterschrift und die Liste der Beilagen.

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